Kirpal Singh

Was ‚Guru‘ bedeutet

Dieser Satsang wurde auf Hindi im Sawan Ashram gehalten.

Lasst uns eine Hymne von Guru Nanak betrachten. Bitte hört aufmerksam zu. Die Meister kommen in diese unglückliche Welt des Wehs und Leides, um den Menschen den Weg zurück zu Gott zu zeigen. Und doch erkennen wir Sie nicht an, denn wir betrachten Sie von unserer eigenen menschlichen Ebene aus und haben so nur selten Nutzen von ihrer erhabenen Anwesenheit unter uns. Guru Nanak sagt uns, dass wir Seine Worte annehmen müssen, wenn wir zu einem Vollendeten Meister kommen. Er gibt uns das rechte Verständnis. Was ist rechtes Verständnis? Gott und Seine Kraft und der Geist können im Tabernakel des Fleisches hier und jetzt wirklich erfahren werden. Wer Ihn gesehen hat, kann anderen helfen. Ihn auch zu sehen. Er hat uns etwas Wesentliches als persönliche Innere Erfahrung zu bieten:

Hört, o ihr Verirrten und Erbärmlichen, haltet an einer Meisterseele fest.

Wir werden unaufhörlich im Meer des Lebens hin- und hergeworfen, ohne Halt für Hände und Füße, um unser Schifflein auf den stürmischen Wassern, die rings um uns wüten, halten zu können. Nur ein Kompetenter Meister kann uns durch den schrecklichen und furchtbaren Sturm steuern, in dem wir gefangen sind. Guru Nanak spricht nicht von den Lehrern, die sich selbst solche nennen und von denen die Welt voll ist. Sie wissen genauso wenig von der Wirklichkeit wie wir. Wie können sie uns dann das Licht Gottes zeigen, wenn sie selbst in der Dunkelheit dahinkriechen? Ein intellektueller Riese wie Yajnavalkya kann uns eine großartige Auslegung von der Wissenschaft der Seele geben, aber er kann nicht die Wahrheit beweisen, von der die Schriften so klug und beredt sprechen. Das Licht Gottes ist in jedem von uns, und wir leben natürlich durch dieses Licht. Aber so befremdlich es erscheinen mag, wir haben bisher noch nicht einmal sein Flackern gesehen. Ein Kompetenter Meister kann uns lehren, nach Innen zu gehen und dort anzuklopfen. Er gibt uns eine Erfahrung von dem Weg aufwärts, damit wir einen Schimmer des Lichtes Gottes sehen. Manche Menschen mögen etwas gegen die Notwendigkeit eines Meisters einwenden. Sie denken, dass die Schriften sie mit genügend Führung versehen, und erkennen nicht, dass die Bücher nicht im Laboratorium des Gemüts wirken können, in dem zahllose Strömungen und Unterströmungen aufwallen. Der Ausdruck ‚Guru‘ bezeichnet Einen, Der das Dunkel der Unwissenheit zerstreuen und das Licht Gottes im Innern offenbaren kann.

Jesus sagte:

Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt.

Die meisten Menschen denken weiterhin, dass Christus noch da ist, um ihnen die nötige Führung und Hilfe zu geben. Er hat sehr deutlich erklärt:

Solange ich hier bin, werde ich weiterhin als Licht dienen.

Sobald Seine Mission beendet war, verließ Er den Erdenplan. Jene, die zu Ihm gingen, wurden in die Mysterien des Heiligen Lichts initiiert. Obwohl Jesus gegangen ist, wirkt die Christuskraft des Heiligen Geistes weiter fort, wie Sie bereits wirkte, ehe Er auf diesem Schauplatz erschien. Die Gotteskraft oder Christuskraft ist immer um das Werk der Rückverbindung bemüht und hat von Anbeginn aller Zeiten die Aufgabe vollbracht, menschliche Seelen mit dem Göttlichen im Menschen zu verbinden. Für ihr Wirken muss diese Kraft natürlich irgendwo einen Menschlichen Pol erwählen.

Der Wind bläst, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.

Johannes 3:8

Um zu wissen, ob jemand ein Kompetenter Meister oder ein Mensch des Geistes ist, muss man Ihn um eine Innere ‚Pfingst-Erfahrung‘ des Lichtes bitten. Das ist ein offenes Gespräch. Eine Tatsache ist eine Tatsache. So gibt es keinen Grund, darüber bestürzt zu sein. Die Welt ist niemals ohne einen Gottmenschen. Sucht nach Ihm oben und unten, und wenn ihr aufrichtig nach Gott sucht, wird der Gottmensch mit Sicherheit erscheinen und euch helfen.

Die Schriften an sich können uns keine richtige Führung geben. Nehmt zum Beispiel den Text:

Braham (Brahaman) ist nur einer ohne einen zweiten.

Aber es gibt viele andere, qualifizierte Brahams, wie es die persönliche Erfahrung von Menschen  zeigt, die unterschiedlichen Zugang nach Innen haben. Es gibt mehrere Stufen der Inneren Spirituellen Entwicklung, und wenn ihr nicht einem Vollkommenen Meister begegnet, gelangt ihr nicht zum Kern dessen, was die Schriften kundtun. Leben kommt von Leben, wie Licht von Licht kommt. Ein Meister kann euch nicht mehr geben, als er selbst hat. 

Guru Gobind Singh sagt:

Nur durch die Übertragung Seines eigenen Lebensimpulses macht der Meister einen Wahren Ergebenen aus dir, und nur dann erlebst du die Einswerdung mit dem Herrn.

Gerade wie die Mutter ihr Kind durch die Milchnahrung ihrer Brüste aufzieht, so nährt der Meister die initiierten Schüler mit Seinem liebenden Lebensimpuls. Nun könnt ihr euch wohl gut die Größe und Großmut des Meisters vorstellen. Nur aus der Ihm eingeborenen Barmherzigkeit versorgt Er uns mit Seinem eigenen Lebensodem der Gottheit in Sich. Er, der Gottgleiche, bietet dies als eine freie Gabe der Natur umsonst.

Einige Amerikaner schrieben einst an meinen Meister Hazur Sawan Singh Ji Maharaj, dass sie ungeheure Reichtümer und Wohlstand hätten und dies gerne gegen etwas von Hazurs Spirituellen Reichtum mit Ihm tauschen würden.

Hazur schrieb zurück:

Er ist eine reine Gabe der Natur, aber eine sehr kostbare, und sie wird jedem frei gegeben, der danach verlangt.

Die Heiligen wollen euren weltlichen Wohlstand nicht. Sie haben den Reichtum von Naam in Überfülle bei Sich. Ihr solltet nach solchen Heiligen und Ergebenen suchen, die diese Göttliche Gabe, die seltene Gabe der Gottheit, besitzen und solltet versuchen, euren Anteil davon zu erlangen. Es wäre ein gesegneter Tag für euch, wenn ihr mit Naam verbunden und von der Furcht vor dem Tode befreit würdet.

Naam bedeutet die sich zum Ausdruck bringende Gotteskraft. Sie wird durch Licht und Ton, die ersten Offenbarungen der Gottheit, charakterisiert. Es gibt zwei Arten von ‚Bhakti‘ oder Hingabe; die eine, die auf der Sinnesebene geübt wird, und die andere, die mit Hilfe der Lenkung und Führung eines Vollkommenen Meisters auf der Ebene des Geistes ausgeführt wird. Alle Schriften sagen uns, dass wir Gott nur durch die Führung eines Gurus oder eines Meisters anbeten können. Warum? Weil Er der Gott im Menschen ist und uns sagt, wie wir uns Gott am besten Innen im Tempel des Körpers nähern können. In Ihm wirkt die Gotteskraft in Fülle in Form von Shabd oder dem Heiligen Wort. Die Gotteskraft fließt im Meister über, Der anderen hilft, indem Er sie mit dieser Kraft in Verbindung bringt. Wenn man einmal mit dieser Kraft in Verbindung gekommen ist, verschwindet die Furcht vor dem Tod. Gibt es irgendjemanden, der uns vom Tode – unserem letzten Feind – erretten kann? Nein, niemand.

Nun lasst uns versuchen, zu verstehen, warum wir uns vor dem Tod fürchten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Als erstes wissen wir nicht, was der Tod ist. Und zweitens haben wir nicht zu sterben gelernt. Drittens wissen wir nicht, wohin wir nach dem Tode geführt werden. Die Meister sagen uns, dass der Tod einfach das Hinüberwechseln der Seele von der physischen zur astralen Welt ist. Er ist kein Schreckbild, als das er meisten hingestellt wird. Er ist gerade wie ein Sonnenuntergang hier und ein Sonnenaufgang woanders. Wir können den Schrecken des Todes durch das Praktizieren der Kunst des Sterbens im Leben unter der Weisung und Führung eines Kompetenten Meisters überwinden.

Lerne zu sterben, damit du zu leben beginnst,

sagt Jesus.

Der Tod ist nur ein Tor zum Ewigen Leben. Wer dies weiß und von Tag zu Tag übt, nimmt keinen Schaden durch den zweiten Tod (den Tod, der am Ende alle ereilt).

Der Guru gewährt eine praktische Beweisführung dieses Todesprozesses. Er gibt eine tatsächliche Erfahrung davon, indem Er uns über das Körperbewusstsein erhebt. Diese Erfahrung kann durch regelmäßige, vertrauensvolle und genaue Übung, wie vom Meister angeraten, verbessert werden.

Guru Nanak sagt:

Wer sich vor den Qualen der Geburten und Tode fürchtet, der möge Zuflucht zu den Füßen eines Heiligen nehmen.

Und warum das?

Ein Geliebter des Meisters geht furchtlos in den Rachen des Todes hinein und aus ihm hinaus.

Als Paulus von Sich selbst sprach, erklärte Er einmal:

Ich wandere glücklich durch das Tal des Todes, weil Du bei mir bist,

und dann bestätigte Er, dass Er täglich stirbt:

Der Tod ist verschlungen in den Sieg.

Ähnlich pflegte Kabir zu sagen, dass Er mehrere Male täglich sterbe und ein großes Vergnügen darin fand.

Es wäre wirklich eine Heldentat wunderbarer Göttlicher Gnade, wenn jemand den Tod auf einem praktischen wissenschaftlichen Weg besiegte. Bei einem Menschen des Geistes ist es eine Angelegenheit täglicher Routine, denn er kann den Geist willentlich vom Tabernakel des Fleisches trennen und ins Jenseits gehen. Wer täglich unter der beschützenden Führung einer Meisterseele in die überirdischen Bereiche hinübergeht, wird auf einmal frei von der Todesfurcht.

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen,

erklärte Jesus und meinte damit die astralen und Spirituellen Bereiche, wohin man nach Seinem Willen und Wohlgefallen gehen kann. Nachdem der Geist den physischen Körper verlassen hat, geht er in eine der geistigen Welten, sei es die astral-mentale oder ins Jenseits, wie der Fall gerade liegen mag, indem er sich von Ebene zu Ebene in ein höheres Bewusstsein erhebt. Nur nachdem man als reiner Geist ins Jenseits hinübergegangen ist, erlangt man Selbsterkenntnis oder die Erkenntnis des Selbst in sich, da man dann von allen Begrenzungen des Fleisches oder Gemüts befreit ist. Es ist nicht einfach eine Angelegenheit der Gefühle, Empfindungen und des gefolgerten Wissens, das man auf der intellektuellen Ebene erlangt, sondern eine persönliche Erfahrung der Seele, wenn sie sich, frei von allem begrenzenden physischen und mentalen Beiwerk, beschwingt erhebt. All dies und vieles mehr kann man durch die gütige Gnade des Meisters erhalten und zu einer Stufe kommen, wo man christusgleich erklärt:

Ich und der Vater sind Eins.

Der Meister warnt vor den verschiedenen Tricks des betrügerischen Gemüts, das gewöhnlich nach den Sinnensvergnügungen Amok läuft und versucht, den Heiligen Geboten auszuweichen und sie zu umgehen. In solchen Augenblicken muss man Schutz zu den Füßen eines erhabenen Wesens suchen.

Vor vielen Jahren, als die Lebensversicherung in Indien Mode wurde, besuchte mich ein Vertreter und sprach mit mir, dass ich mein Leben versichern müsste.

Ich sagte ihm:

Sieh, mein Freund, mein Leben wurde bereits durch meinen Meister versichert, Der mir alle nur mögliche Hilfe und Schutz hier und danach gewährt. Da das ganze physische Gerüst doch eines schönen Tages übergeben werden muss, habe ich wohl daran getan, es schon jetzt meinem Meister auszuhändigen und alles, was mein ist, Ihm zu übergeben. Du bist nicht gekommen, mein Leben zu versichern, sondern nur, um mir im Falle meines Todes irgendetwas zuzusichern, aber darum sorge ich mich nicht.

Was ist also der Zweck all unserer edlen Bemühungen? Nichts als die Schau des Herrn in uns.

Der letzte Vers des Guru Granth Sahib sagt uns sehr bezeichnend:

Möge ich durch Deine Göttliche Schau gesegnet sein.

Wenn ihr also diese Göttliche Schau nicht habt und nur an Taten dieser oder jener Art gebunden bleibt, was wird euch das nützen? Es wäre gerade, als wollte man die Blätter und Zweige einer Pflanze wässern, ohne ihre Wurzeln zu ernähren. Der Mensch ist ein umgekehrter Baum, dessen Wurzeln aufwärts zum Augenbrennpunkt, dem Sitz der Seele, reichen. Die Seele soll mit dem Wasser des Lebens ernährt werden, das dem Thron Gottes entspringt, mit der Göttlichen Melodie, welche die erfrischende Flut von oben bringt. Wenn man das nicht erreicht, ist das menschliche Leben ohne Nutzen.

Wer nicht das Glück hat, mit dem Wort in Berührung zu kommen, ist in einer erbärmlichen Lage; wie kann er glücklich sein und sich des Lebens vollauf erfreuen?

Das wirkliche Glück kommt nur durch die Verbindung mit dem Geist und der Kraft Gottes im Innern. Und diese Verbindung wird nur von einem Gottmenschen gegeben.

Daher heißt es:

Wer auch immer mit einem Gottmenschen in Verbindung kommt, wird unverzüglich von der alles durchdringenden Gotteskraft berührt.

Aber solch eine Begegnung kommt durch ein sehr großes Glück zustande:

Nur jene, auf deren Stirn Gottes Name geschrieben steht, werden auf das Wort abgestimmt.

Nanak sagt:

Wahrlich gesegnet sind jene Menschen, die der Ewigen Stimme Gottes lauschen!

Wegen eines so herrlichen Lebens im Geiste gehen wir zu einem Mann des Geistes. Da Er das Personifizierte Wort ist, kann Er uns zu dem Ewig Klingenden Wort verhelfen und uns wahrhaft segnen. Gott wahrhaftig zu erkennen ist Ewiges Leben. Wir können unsterbliches Leben für das Selbst in uns nur durch die tätige Hilfe und Führung eines Gottmenschen gewinnen. Dies ist der einzige Weg, und es gibt keinen anderen außer ihm.

Guru Nanak sagt daher:

Heil dir, o Meister! Ich bin nun ewig dein.

Dies sind die Worte einer erwachenden Seele gleich Nanak. Brauchen wir noch mehr Beweise? Lasst uns sehen, was Er weiterhin sagt:

Ich kann nun keinen Augenblick mehr ohne Ihn leben. Ihn und Sein Wort zu vergessen, ist der Wahre Tod für mich.

Spiritualität ist also die Essenz des Lebens auf Erden, und die Heiligen und Weisen sind damit verwoben und leben durch und für Sie. Dies ist für Sie der Zweck des Lebens:

Ich lebe nur, um von Ihm zu singen – oder lass mich sterben. Es ist leichter gesagt als getan, sich an den Heiligen Namen zu erfreuen.

Dies also ist die Predigt von Guru Nanak.

Die Verbindung mit dem Heiligen Wort ist das, was uns wirklich religiös macht. Jene, die noch nicht in die Mysterien des Wortes initiiert sind, können keinen Anspruch darauf erheben, religiös zu sein.

Das ‚Wort‘ ist die Wurzel aller Schöpfung.

Durch die Macht des Wortes offenbart Gott Sich Selbst in so vielen Formen und Farben. Gott schuf den Menschen, und der Mensch schuf all die Religionen. Doch warum und für welches Ziel und zu welchem Zweck? Einfach, um die grundlegende Wahrheit zu erkennen und die Gestade des Lebens wieder zu entdecken, die wir in der Alltagswelt, die wir uns schufen, verloren haben. Wer auf die Suche nach dem Heiligen Gral geht und das Lebensprinzip in sich selbst ausfindig macht, wird ein Wahrer Mann, eine Wahre Frau, ein Wahrer Ergebener und ein Wahrer Kreuzfahrer, da er ein Anbeter des Heiligen Lichts auf dem Heiligen Berg des Herrn in sich selbst ist.

O ihr Blinden, vergesst nicht Gottes Licht, denn es soll eine Lampe für eure Füße sein auf dem Pfad zu Gott.

Obgleich alle unsere Sehorgane in Ordnung sind, sind wir doch ohne Schau. Warum? Weil wir nicht das Licht des Lebens in uns sehen können. Es ist das Licht, das uns zum Hause Gottes führen soll. Aber wann? Wenn wir mit der Inneren Schau gesegnet sind. Und wie sollen wir sie gewinnen? Das Innere Auge ist vorhanden, aber wir haben noch nicht gelernt, es zu entwickeln. Eine Meisterseele öffnet es für uns und lässt uns das Licht Gottes sehen. Er mahnt uns dann, darauf zu achten, dass es nicht wieder dunkel werde. Es liegt an uns, das Licht gewissenhaft zu praktizieren und den Lebensstrom, den Er offenbart hat, zu ergreifen. Allmählich werden wir in der Begleitung des Meisters – nun als dem Gurudev in Seiner Strahlenden Form, Der uns als niemals irrender Führer und unfehlbarer Freund zur Seite steht – von diesem Licht weiter und weiter geführt. Er ist nicht zufrieden, bis Er uns zur Quelle des Licht und Tons, dem Sat Naam oder dem Wahren Namen, gebracht hat. Es ist die älteste, wahrste, vollkommenste und natürlichste Wissenschaft, aber wir haben sie vergessen. Die Meister kommen von Zeit zu Zeit, um sie zum Nutzen der Menschheit wieder zu beleben.

Wer selbst die Dinge dunkel sieht, kann anderen keine klare Wahrnehmung vermitteln.

Wir sind trotz unserer fünf Sinne blind und tappen im Dunkeln und können andere nicht den Weg des Lichts führen. Wenn ihr aber Augen habt, was ist dann Blindheit? Die Heiligen haben ihre eigene Ausdrucksweise:

Die sind nicht blind, die keine Augen in ihrem Gesicht haben. O Nanak! Blind sind jene, die nicht Eins sind mit dem Herrn.

Es ist sehr leicht, hochintelligent zu sein und Kenntnisse von der ganzen Welt zu erlangen und anderen zu predigen, aber es ist wirklich schwer, die Innere Schau zu öffnen und die Glorie Gottes im Innern zu schauen.

Kabir erklärt:

Die ganze Welt ist völlig blind. Wenn es nur um einen oder zwei ginge, würde ich versuchen, sie die Wirklichkeit verstehen und sehen zu lehren.

Ähnlich hat Soami Ji auf ganz dieselbe Weise gesagt:

Der Erwachte sagt, dass jeder in der Welt blind ist. O niemand weiß, wie er einen Blick ins Jenseits im Innern werfen kann.

Auch Guru Nanak sagt in diesem Zusammenhang:

Ein Blinder kann die Blinden gewiss nicht richtig führen, o Nanak! Nur ein Mann, der sieht, kann den rechten Pfad einschlagen.

Es ist völlig klar, dass wir blindlings jenen folgen, die keine persönliche Erfahrung vom Licht Gottes haben. Sie besitzen ein Halbwissen an Buchgelehrtheit und haben das zum Mittel ihres Lebensunterhalts gemacht. Wir sollten das verstehen und darauf achten, ob sie Waren liefern können. Wenn wir solch einem Lehrer einige Jahre lang folgen und keinen Zugang nach innen erlangen, müssen wir erkennen, wo der Fehler liegt. Unsere Schriften sind voll des Lobes auf die wirklichen Lehrer, nennt sie Sadhu, Sant oder Guru, wie ihr mögt. Sie werden aufgrund einer besonderen Tugend gepriesen.

Wiederum sagt Guru Nanak:

Wie kann der Diener in Fülle leben, wenn sein Meister nicht genug für sich selbst hat?

Die Welt ist voll von falschen Meistern und halben Meistern, die den Anspruch erheben, die ganze Wahrheit zu wissen. Es war immer dasselbe, seit die Welt begann, und so war es auch zur Zeit Guru Nanaks. Guru Nanak reiste sehr weit. Er besuchte die sogenannten Lehrer und überzeugte sie auf liebevolle Weise, dass sie mit dieser Heiligen Wissenschaft keinen Handel treiben sollten. Er unternahm vier lange Reisen in den Norden des Himalaya, in den Süden bis Sangla Dwip oder das heutige Ceylon; in den Osten bis nach Burma und an die chinesische Grenze und zuletzt in den Westen bis Israel, Persien und den Iran.

Wenn die Meister kommen, geben Sie den Menschen das rechte Verstehen, aber nach Ihrem Dahinscheiden fällt die große Masse durch die Macht reiner Gewohnheit wieder in ihre üblen Wege zurück. Und dennoch erscheint irgendwo ein anderer Meister und belebt dieselben alten Wahrheiten neu und lädt die spirituell Hungrigen in Seine Festhalle ein.

Ohne einen Vollkommenen Meister kann niemand Naam in sich offenbaren und ohne die Offenbarung von Naam gibt es keinen Frieden.

Solange wir nicht Gottes auserwähltem Menschlichen Pol begegnen, können wir durch keinerlei Mittel, was es auch sei, die Innere Berührung mit dem Geist und mit der Kraft Gottes haben. Gott hat keinen Bruder, keinen Freund, keine Mutter und keinen Vater. Er ist erhaben in sich selbst. Und doch wirken Sein Geist und Seine Kraft überall, in euch, in mir, in allen und jedem anderen, aber in einem latenten Zustand. Im Gottmenschen jedoch ist sie voll offenbart und in offenkundiger Form, denn durch ihn wirkt Gott unter Seinem Volk. Darum müssen wir die Führung solch eines Meisters suchen. Er kann uns hier und im Jenseits führen. Es ist daher offenbarte Gott im Menschen, der uns zu sich zieht und Sein eigenes Licht und Leben offenbart.

Guru Nanak sagt wieder einmal:

Der Lehrer und der Belehrte, beide sind auf dem Pfad. Und es ist wirklich so, da sie (die Siddhas) glauben, dass sie durch Selbstabtötung durch Härten und Bußen das Gemüt zum Schweigen bringen und Erlösung erlangen können. Sie wissen wenig davon, dass sie durch die Geißelung der Höhle die Schlange im Innern der Höhle nicht zu töten vermögen. Die tödliche Kobra kann nur durch die Flöte des Schlangenbeschwörers bezaubert werden, und nicht, indem man dem Willen huldigt, unserem Eigenwillen und unseren Vorstellungen ohne Göttliche Autorität.

Sie kommen und gehen aus der Welt ohne jeden Zweck; wie Krähen fliegen sie in verwüsteten Häusern ein und aus.

Die Krähe ist ein schmutziger Vogel und wird immer von Unrat angezogen. Auch wir lieben, wie die Krähen, den Schmutz der Welt mehr als alles andere. Da vor allem die Liebe zum Gewinn in unseren Gemütern ist, verschwenden wir die kostbaren Augenblicke unseres Lebens, indem wir Kräfte bekommen und ohne Sinn ausgeben und unsere Seele gegen den Mammon eintauschen.

Ohne Verbindung mit Naam gibt es nicht endendes Leid; ein unfruchtbares Land, das sich nicht nach der Pflugschar sehnt.

Konnten wir mit all unseren gewaltigen Anstrengungen in Wissenschaft und Technik den Menschen Glück bringen? Je mehr wir materiell fortschreiten, desto mehr finden wir uns selbst in einen Zustand dauernden Schreckens und gefährlicher Unausgeglichenheit getrieben. Mit einem See von Nektar im Innern können wir wirklich gesegnet sein.

Aber die Frage ist, sind wir gesegnet? Nein, nicht im geringsten. Warum? Weil wir nicht wissen, wie wir die Göttliche Glückseligkeit, die uns gehört und deren gesetzmäßige Erben wir durch Gottes Ratsschluss sind, herbeiziehen können. Oh, wenn wir erkennen könnten, wie nach innen zu geben und vom Wasser des Lebens aus der Feuerquelle in uns frei und in Fülle zu trinken? Wegen unseres mangelnden Wissens von ihrer Existenz und der Technik, in den Tiefen unseres Innern danach zu graben, müssen wir hilflos und hoffnungslos an Körper, Gemüt und Geist leiden.

Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper‘ ist ein wohlbekanntes Sprichwort. Aber ist unser Geist gesund? Nein. Warum? Weil die Spirituelle Kraft hinter dem Gemüt fehlt. Das Gemüt verzettelt unaufhörlich seine Kräfte (geborgt, wie sie sind) durch die Sinnesorgane auf dem Gebiet der Sinnesfreuden. Der Geist ist zur Zeit nicht der Herr des Hauses, in dem er lebt. Wir haben noch nicht erkannt, wie man die Spirituelle Kraft erhalten und entwickeln kann, was nur dadurch geschehen kann, dass man den Geist vom Zugriff des Gemüts und der Materie befreit und ihn auf den Geist und die Kraft Gottes abstimmt. Wenn der Geist in sein Eigentum kommt und die Kontrolle über das Gemüt erlangt, wird der Körper und alles andere auf seinen eigenen, richtigen Platz gerückt, und man wird von allem Übel des Lebens, dem physischen und mentalen, befreit und kann über alle Arten von Unglück, selbst Naturkatastrophen, unbeschadet hinweggehen. Die Seele hat ihre eigene Heilkraft, und wenn der menschliche Körper nicht unnötig durch giftige Nahrung oder zu viele Medikamente gestört wird, kann er unerschütterlich allen Winden standhalten, aus welcher Richtung sie auch wehen mögen.

Man kann das Himmelreich nicht erlangen, solange man sich selbst nicht vollkommen der Wahrheit ergibt.

Man muss sich der Wahrheit übergeben, und die Wahrheit wird uns zuletzt stützen. Dies ist eine unumstößliche Wahrheit, und sie kennt keine Abwandlungen. Solange wir nicht nach Innen gehen, können wir Gott nicht sehen, noch Sein Reich betreten.

Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden. Das Reich Gottes ist inwendig in euch.

Was ist dann die Wahrheit? Guru Nanak selbst gibt uns eine Antwort:

O Nanak! Den Wahren Einen zu erkennen ist wahrhaft die Wahrheit.

Und wieder:

Die Wahrheit war am Anfang, die Wahrheit war zu Beginn der Yugas, die Wahrheit ist, und die Wahrheit wird immer bleiben, sagt Nanak.

Die Wahrheit und Naam sind gleichbedeutende Bezeichnungen. Die Berührung mit der Wahrheit kann nur durch einen praktischen Prozess der Selbstanalyse gefestigt werden; es gibt keinen anderen Weg.

Kabir sagte daher:

Warum deine Zeit mit fruchtlosem Suchen verschwenden, das zu einem falschen Ziel führt? Es ist bei Weitem besser, einen sicheren Führer zu nehmen, Der den Weg kennt,

sagt Kabir.

Mit solch einem Führer an deiner Seite wirst du mit Sicherheit das richtige Ziel finden und die Entfernung in kurzer Zeit zurücklegen, zu der du sonst Jahrhunderte brauchst.

Entschuldigt, wenn ich sage, dass das sogenannte Gurutum dieser Heiligen Wissenschaft sehr geschadet hat. Jeder, der ein bisschen Buchwissen und eine scharfe Zunge hat, versucht als Prophet und Apostel aufzutreten und wirkt auf die Leichtgläubigkeit der einfachen Leute ein, mit dem Ergebnis, dass die armen, arglosen Menschen sehr bald zu ihrem Schrecken entdecken, dass sie getäuscht wurden, und die Gurus zu verfluchen beginnen. Das ganze Wort ‚Guru‘ wird von ihnen verbannt, und sie empfinden Scheu, sich einem Guru zu nähern, wie wahr er auch sein mag. Dies ist die Grundursache des Unglaubens an Gott und den Gottmenschen.

Kürzlich hielt ich einen Vortrag über Gandhi Ji. Was war der Grund für seinen auffallenden Erfolg? Es kam daher, dass in seiner Gegenwart der eine auf Arabisch von Gott sang, der andere in Sanskrit, und jeder ‚Ram-dhun‘ anzunehmen pflegte. Zuletzt versuchte Gandhi Ji, die Lehren aller Religionen zusammen zu stellen, die im Grund nur eine waren und sind. Die Heiligen Lehren aller Meister ob im Osten oder Westen, sind sich wesensmäßig gleich, weil Gott Einer ist, obwohl wir uns Ihm auf individuelle Weise nähern. Wir müssen daher auf einen gemeinsamen Boden, die Göttliche Wahrheit, kommen. Wie sollen die Menschen in ihrer Gesamtheit euren Wert als Satsangis erkennen? Einfach durch euer Betragen gegenüber euren Mitmenschen. Taten sind gewiss überzeugender als Worte. Ihr werdet nach dem beurteilt, was ihr seid, und nicht nach dem was ihr vor euch selbst oder aufgrund eurer langen Ahnenreihe zu sein beansprucht. Dann sprach ich einige Minuten lang über die wesentliche Einheit, die allen Religionen zugrunde liegt. Acharya Vinoba Bhave, der bei diesem Treffen zugegen war, erklärte, dies sei der beste Weg, sich der Vereinigung zu nähern.

Lernt zuerst, in euren Körper zu gehen und euch am Augenbrennpunkt zu sammeln, und versucht dann, zur Wahren Heimat des Vaters voranzuschreiten.

Das ist der einzige Weg zurück zu Gott.

Er allein ist der Wahre Meister, Der euch auf die Macht Gottes in euch einstimmen kann, solange ihr im Fleisch, dem Tabernakel Gottes, seid. Nur dann werdet ihr den Wahren Nutzen von der menschlichen Geburt haben, die ihr als eine seltene Gabe von Gott erhalten habt.

Durch Verbindung mit dem Wort erreicht man die Wahre Heimat.

Dieselbe Kraft des Wortes ist in der Terminologie der Meister als Naam oder Shabd bekannt.

Guru Nanak sagt:

Schöpfung und Auflösung kommen durch die Kraft von Shabd zustande, und allein durch die Kraft von Shabd tritt die Schöpfung erneut ins Sein.

In Seiner absoluten Form ist Gott Ashabd oder wortlos, aber als Er ins Dasein trat oder Sich zum Ausdruck brachte, wurde Er als Shabd oder das Wort erkannt, charakterisiert durch das erste Licht und den ersten Ton. Die mohammedanischen Heiligen nennen dieselbe Göttliche Kraft Kalma. Maulana Rumi sagt:

O Herr, führe uns zu dem Ort, von dem das wortlose Wort (Kalma) ausgeht.

Der Göttliche Grund oder der heilige Berg liegt im menschlichen Körper am Sitz der Seele und kann mit der Gnade des Meisters von den Suchern wiedererlangt werden. Wenn ihr euer Selbst auf die himmlische Musik abstimmen wollt, wird Sie euch in die Höchsten Himmel zum Thron des Wahren Einen erheben, der jenseits des magnetischen Feldes von Maya ist. Maya oder die täuschende Materie hat drei Phasen, die als Maya, Prakriti und Pardhan je nach der physischen, astralen und mentalen Welt bekannt sind. Die Meister lehren uns einen Weg, alle diese Gemütszonen zu überqueren und ins Jenseits zu Gott in Seiner ersten offenbarten Form zu gelangen. In unmissverständlicher Ausdrucksweise bezieht Sich Nanak auf den Meister als letzte Autorität.

Wenn das Heilige Wort einmal in jede Faser eures Seins eindringt, werdet ihr für immer von allen Übeln frei, die aus dem Ego geboren sind.

Der Meister preist hier die Wichtigkeit des Verschmelzens und der Vertiefung in Shabd, denn es wird euch von der Furcht vor jeder Art Übel befreien und euch befähigen, die Glorie des Herrn in aller Fülle zu sehen. Wenn jemand das Menschliche in sich überschreitet, wird er göttlich in einer Natur und beginnt, die unsichtbare Hand Gottes sichtbar in und um sich wirken zu sehen.

Shabd brennt alle Eitelkeit und Verblendung zu Asche, und der ehrfürchtige Schüler bezeugt das Licht Gottes in sich.

Egoismus ist das schlimmste aller menschlichen Übel; es ist das älteste, stärkste und ausdauerndste und am schwersten zu heilende. Und doch liegt seine Heilung auch im Rahmen des Menschen selbst – in Shabd oder der Göttlichen Melodie, von der das Gemüt gleich der giftigen Kobra entzückt und verzaubert wird und deren Giftzähne für immer gezogen werden.

Die Vereinigung der beiden (der Seele und der Überseele) kommt auf sanfte und leichte Weise zustande und man erreicht den Wahren Einen bestimmt und wird mit Ihm vereint.

Es ist gerade, als führe man mit einem elektrischen Fahrstuhl nach oben. Das Wort hat eine große magnetische Anziehungskraft. Es hebt die Seele in kürzester Zeit aus dem Körper heraus. Ihr braucht euch Ihm nur zuzuwenden, und schon kommen Sein Geist und Seine Kraft, um euch zu helfen und euch in die Wahre Heimat eures Vaters zu bringen.

Jene, die das Wort gereinigt hat, sind frei von Wünschen, Ärger und Egoismus. Immer in das Wort vertieft, leben sie auf ewig darin!

Wenn diese Stufe erreicht ist, kann man nicht anders, als allezeit Loblieder auf den Herrn zu singen. Sein Ruhm ist immer in seinem Herzen und auf seiner Zunge.

Nichts macht ihm größeres Vergnügen, als von Ihm zu sprechen und zu hören. Was hat er noch mit den Freuden der Welt zu tun? Da keine Wünsche mehr in ihm zurückbleiben, verschwinden Ärger und Egoismus von selbst.

Guru Arjan sagt:

Weshalb, o Freund, verlässt du nicht das Gebiet der Sinnesfreuden, in denen keine Wahre Glückseligkeit ist, und hältst dich an den destillierten Göttlichen Nektar?

Ohne das himmlische Elixier gekostet zu haben, sind alle verloren und gehen ohne Frieden in die Irre.

Wiederum erhebt sich die Frage, wie man zur Quelle des lebenspendenden Wassers gelangt. Darauf gibt Er die Antwort:

Durch all deine vergeblichen Bemühungen und mächtigen Taten kannst du es nicht erhalten. Geh’ in aller Demut zu den Heiligen, wenn du es erlangen willst!

Es ist eine reine und einfache Gabe Gottes, und ein Gottmensch allein kann sie gewähren, wenn es so in unserer Stirn geschrieben ist. Dies ist ein fundamentales Gesetz der Natur, von dem es keine Abweichung geben kann. Ihr könnt es weder durch Reichtum noch durch Kraft erlangen oder dadurch, dass ihr danach ruft.

Ebenso sind Schlussfolgerung und Intellekt von keinem Nutzen, da dieser kostbare Schatz weit über dieser Sphäre liegt. Versucht ihn mit allen euch zur Verfügung stehenden Mitteln zu erlangen, ihr werdet ihn nicht finden. Wer ihn hat, kann euch daran teilnehmen lassen.

Warum dann Ihn vergessen, der das Wahre Leben unseres Lebens ist?

Dies ist also die Lage mit klaren Worten. Wenn ihr das Ewige Leben haben wollt, könnt ihr es jetzt und hier gewinnen. Man kann es euch bestimmt nicht für die Zukunft versprechen, wie viele uns glauben machen möchten. Geht also ernsthaft daran, Es zu suchen.

Jene, die sich im Wort verlieren, sterben für die Welt. Wenn sie sich einmal darin verloren haben, sind sie es für immer und werden vom Tod nicht mehr verletzt.

Wenn ihr euch einmal in die sich zum Ausdruck bringende Gotteskraft vertieft habt, werdet ihr von Ihr empor getragen und ein für allemal mit Ihr vereint. Ihr seid dann frei vom Zyklus der Geburten und Tode und nicht mehr davon betroffen. Den Wahren Gott wahrhaft zu erkennen und in Ihm zu leben ist der Zweck des Lebens – nämlich das Ewige Leben zu gewinnen.

Guru Arjan sagt:

Wer mit der Gnade des Meisters die Kunst des Sterbens im Leben übt, überschreitet das Menschliche in sich und wird sogleich göttlich.

Dies ist, in aller Kürze, der Weg aufwärts zur Wohnstatt des Herrn. Wer immer es wünscht, kann ihn befolgen und ein reines Leben, Bewusstsein und Seligkeit gewinnen und wird ein Bewusster Mitarbeiter am Göttlichen Plan.

Welche Leidenschaft kann Musik nicht erwecken oder stillen?

So groß ist tatsächlich die Macht der irdischen Musik. Die Innere Himmlische Harmonie ist etwas Einzigartiges. Sie ist eine seltene Gabe, die auf Erden unbekannt und ungehört ist. Alle äußeren Harmonien und ergötzenden Töne sind nur eine Imitation und können der Sphärenmusik nicht gleichkommen, in die sich das Gemüt vertieft, wenn es sie hört und eine Magd der Seele wird und mit ihr zusammen aufwärts schreitet zu ihrem Geburtsland: dem Chitakash und Sach Khand – der Wahren Heimat des Vaters. Während uns die äußere Musik höchstens bis zu den entferntesten Grenzen der verfeinerten Materie tragen kann, kann sie uns doch nicht die materielle Welt überschreiten lassen. Die Innere Göttliche Musik des Heiligen Wortes hilft uns, über die mentalen Zonen hinaus in die rein Spirituellen Bereiche zu gelangen.

All dies und vieles mehr ist die Glorie des Wortes, und man wird befähigt, den Namen des Herrn zu lieben.

Nur durch Shabd entwickeln wir die Liebe zum Herrn. Es ist gerade, als ob man auf einem Sonnenstrahl reitet und die Sonne selbst erreicht. Ähnlich wird das unterste Glied der Göttlichen Musik, wenn Es sich in euch offenbart, euch befähigen, die Quelle der Musik von Sat Naam oder des Wahren Namens zu erreichen. Wenn ihr auf dieses Tonprinzip in euch meditiert, indem ihr euch über das Körperbewusstsein erhebt, wird ein Bewusster Kontakt zwischen dem Geist und der Gotteskraft errichtet, und ihr beginnt, Ihn und Seinen Weg zu verstehen, und je mehr ihr das tut, desto mehr fliegt eure Liebe Ihm zu. Aber all dies hängt von der Gnade des Kompetenten Meisters ab, in dem die Gotteskraft in Fülle wogt. Diese Göttliche Schau bewirkt Wahre Liebe und Hingabe. Entschuldigt, aber das bloße Singen von feierlichen Hymnen und Psalmen, so ruhmreich sie sein mögen, wird nichts nützen. Es ist, als ob man sich von den Brosamen anderer ernährt. Ein wahrhaft Liebender muss seine eigene Ersthand-Erfahrung vom Geliebten erlangen, dann kann er singen, was er mag. Es ist eine unterschiedliche Welt zwischen beiden. Gottverwirklichung ist etwas Persönliches. Wenn ihr nicht selbst von dieser Göttlichen Seligkeit berauscht seid, könnt ihr euch weder selbst segnen, noch kann anderen um euch irgendeine Segnung durch euch vermittelt werden.

Ohne Shabd wandert die ganze Welt in die Täuschung verirrt umher, und alle drehen sich hilflos und hoffnungslos im großen Rad des Lebens auf und ab.

Wir alle leben in der Zeit-Skala von Leben und Tod. Es gibt kein Ende dieser Kreisbewegung. Wenn wir aus der Welt der Zeit in die Zeitlosigkeit entkommen wollen, brauchen wir die Hilfe von Shabd, das im Raum und außerhalb des Raumes widerhallt und das einzige Mittel zur Befreiung ist:

Alle verehren sich selbst, jeder auf seine eigene Weise, und sie halten das für das Beste.

Das ist etwas von erhabener Wichtigkeit. Guru Nanak erklärt, dass die Intellektuellen in ihrem Bereich des Gemüts und Intellekts gefangen sind und glauben, Adepten der Gotterkenntnis zu sein. Sie stellen Gott jedoch kalt und vergessen Ihn gänzlich. Es ist wirklich überraschend, die Wirklichkeit zu ignorieren und zu erklären, etwas über Ihn zu wissen. Wie können wir Gott kennen, ohne Gott zu erfahren? Göttliches Wissen, wenn es verstanden werden soll, kann nicht von allen und jedem vermittelt werden.

Es ist das besondere Vorrecht von jemandem, der mit der Autorität, es zu tun, ausgestattet ist – nicht durch zweitrangige Organisationen oder Gesellschaften, noch durch jemand mit akademischen Eigenschaften, sondern durch Gott Selbst.

Göttliche Befreiung wird durch die Gottheit gegeben, von wo aus immer Sie auch wirken mag. Selbst Kompetente Meister, Welche dieses Werk ausführen, beanspruchen niemals irgendwelche Ehre für Sich Selbst, sondern schreiben sie demütig der Gnade Ihres Meisters und der Gnade Gottes zu. Wer weiß, spricht nicht, und wer spricht, weiß nicht.

O Bhika! Die Erzählung von Gott ist unaussprechlich; wer Ihn kennt, atmet kein Wort aus, während der Unwissende viel von Ihm prahlt.

Welche Erfahrung von Gott auch erlangt wird, man kann sie unmöglich in menschlicher Sprache erklären:

Selbst die Heiligen, Die Eins mit Ihm sind und Seine Taten bezeugen, rühmen einfach Ihn und Seine Macht, die durch Sie hindurchfließt.

Niemand kann ohne Guru das Mysterium Gottes von sich aus enträtseln, das Rätsel Gottes kann nicht durch eitles Gerede gelöst werden.

Selbst im gewöhnlichen Alltagsleben schenken wird einer Bekundung, die auf bloßem Hörensagen beruht, keinen Glauben. Wie kann man sich dann in esoterischen Dingen von höchster Wichtigkeit auf Räubergeschichten und Fabeln verlassen? Spiritualität ist ein praktisches Thema, das nur mit der Hilfe und Führung eines praktischen Lehrers gelernt und praktiziert werden kann, Der in Sich Selbst eine Erfahrung vom Geist und der Gotteskraft im Laboratorium des eigenen Körpers und Gemüts gemacht hat, indem Er nach und nach die Hüllen, die die Wirklichkeit in Ihm verbargen, entfernte. Auf der Ebene des Intellekts kann man sagen, dass man nicht der Körper, nicht das Gemüt noch der Intellekt, noch die Pranas oder Lebensströme ist, aber wenn man dies nicht durch vollkommenes Zurückziehen von all diesen Zusätzen persönlich erfahren und sich am Augenbrennpunkt gesammelt hat, sind alle unsere Erklärungen, wie ungestüm sie sein mögen, wertlos und vermitteln keine Überzeugung. Ich kann sagen: Dies ist mein Turban, meine Jacke, mein Taschentuch. Kann ich nicht alle diese Bekleidungsstücke willentlich ablegen und wieder anziehen, wenn ich will? Aber kann ich willentlich aus meinem physischen Körper herausgehen oder mich selbst von dem einen oder anderen meiner körperlichen Zusätze befreien? Wenn ich es nicht kann, sind all meine großen Bemühungen ohne Nutzen. Das ist der Haken bei dem ganzen Problem. Wir sagen, dass wir Sinne haben, aber wenn wir unsere Sinnesinstrumente nicht fest im Griff haben und sie so gebrauchen können, wie wir wünschen, sind sie nicht unsere Werkzeuge, sondern wir sind das ihre.

Der Meister gewährt euch eine tatsächliche Erfahrung von dem Weg nach oben im Innern, indem Er euch über das Körperbewusstsein erhebt, und dann werdet ihr selbst sehen, was es in der Praxis bedeutet, abgesehen von der Theorie. Dann erkennt ihr, dass ihr der Geist oder Bewusstsein seid, das in den oder durch die Körper-Organe wirkt – erkennend und als Motor. Was wir Aufmerksamkeit nennen, ist die äußere Offenbarung des reinen Bewusstseins, das wir tatsächlich sind. Es ist eine Angelegenheit der praktischen Beweisführung, die ihr vom Meister bekommen könnt, wenn Er euch in die Wissenschaft der Seele initiiert. Wenn im Laufe der Zeit euer Inneres Wachstum zunimmt und ihr diese Technik entwickelt, werdet ihr der Herr des Hauses und fähig sein, dem Gemüt und den Sinnen zu befehlen, dass sie arbeiten oder nicht arbeiten je nach euren Wünschen. Aber jetzt ist der Bewohner in euch ein niedriger Sklave im eigenen Haus, ein niedriger Gefangener in der Zitadelle, gefesselt an Händen und Füßen, gleich einem König auf dem Schachbrett, empfänglich für jeden Windstoß, der weht, und von Ort zu Ort springend, ohne irgendwo Wurzel zu fassen. Wir schwimmen in den wirbelnden Wassern des Lebens wie Tang ohne Wurzeln, die uns innerlich oben halten. Wenn ihr euch einmal wirklich über das Körperbewusstsein erhebt, werdet ihr den Wahren Wert des Körpers und der vergänglichen Sinnesfreuden erkennen, die all ihren Zauber und Glanz verlieren werden gleich den vielen vielfarbenen Kieseln am Meeresstrand. Wenn ihr euch auf große Höhen erhebt, beginnt ihr zu sehen, wie klein und unbedeutend die mächtigen Ströme und Berge aussehen. Wenn ihr euch über das gestirnte Firmament erhebt, werdet ihr oben erkennen, was für eine Kraft ihr in euch habt und in welchem Ausmaß ihr sie zu eurem Vorteil nutzen könntet.

Guru Arjan sagt:

O ihr! Warum Perlen gegen Kieselsteine tauschen?

Die sind die traurigen Worte der erwachten Seelen, wenn sie uns den schmutzigen Sinnesfreuden nachgehen sehen. Ein Haus, das auf Sand gebaut ist, kann nicht lange halten. Es wird eines Tages umfallen und zusammenstürzen, wenn es kommen wird, wie es kommen muss, und das wird tatsächlich schrecklich sein.

Wegen mancher sehr guter Taten in der Vergangenheit hat Gott uns mit der menschlichen Geburt gesegnet. Wir sind alle begünstigt, dass wir dem Zeugnis der Weisen und Seher lauschen dürfen. Warum dann nicht das Heu ernten, solange die Sonne scheint?

O Nanak! Nur durch die Übung von Shabd können wir das Ego besiegen.

Man kann möglicherweise die fleischlichen Lüste nicht aufgeben, wenn man nicht durch einen wirklichen Kontrast die Wahre Glückseligkeit eines Lebens des Geistes kennenlernt, die man durch die Verbindung mit dem Heiligen Wort erfährt. Aus der Welt der Relativität müssen wir uns in die Welt der Wirklichkeit erheben, um den Unterschied zwischen beiden zu erkennen, um den falschen Flitter von echtem, im Feuer geläutertem Gold zu unterscheiden. Nicht ohne Grund riet Jesus den Leuten, von Ihm ‚mit Feuer durchläutertes Gold‘ zu kaufen. Guru Gobind Singh berichtet uns von dem Göttlichen, herrlichen Leben, dass Er erfuhr, indem Er im Herrn verweilte:

Aus der Dualität erhob ich mich in die Einheit mit der Wirklichkeit – wie könnte ich dann einverstanden sein, weiterhin in der Welt zu bleiben?

Aber der Herr erinnerte mich an meine Mission und befahl mir, sie fortzuführen – darum wirke ich noch hier auf dem Erdenplan.

O ihr! Betrachtet mich nun als den Diener von allen und jedem, es gibt kein Gramm Falschheit in dem, was ich sage. Nanak, der Herr der jenseitigen Bereiche, ist mein Zeuge.

Und Er erklärt weiter:

Ich bin nur ein Sklave des Höchsten Wesens und bin als bloßer Zuschauer gekommen, um Seine Glorie zu sehen. Jene, die mich als Gott betrachten und als solchen verehren, glaubt es, sie sollen alle ins Höllenfeuer gehen.

Einfach aus unserem Gefühl der Dankbarkeit heraus erheben wir den Meister und stellen Ihn manchmal in unserer Begeisterung auf ein Podest, das höher ist als Gott. Andererseits gibt es keinen Unterschied zwischen Gott und dem Gottmenschen oder dem erwählten Menschlichen Pol, Den die Gotteskraft erwählt hat, um durch Ihn zu wirken. Ich habe versucht, euch einige seltene Wahrheiten Göttlicher Weisheit so einfach und einleuchtend wie möglich vorzutragen. Ihr solltet danach trachten, sie aufzunehmen, indem ihr versucht, tatsächlich nach diesen Lehren zu leben und für euch selbst das Ziel des menschlichen Lebens zu erreichen und seinen Zweck zu erfüllen.

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Quelle: Sat Sandesh / September–Oktober 1972